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5.6 Exhibitionismus

Definition

Exhibitionismus ist genitales Präsentieren als sexueller Endzweck.


Beschreibung

Exhibitionistische Handlungen gibt es in den verschiedensten Formen. Der Extremfall besteht wohl darin, dass sich ein unter einem Mantel unbekleideter Mann einer Frau nähert um sie dann durch Öffnen dieses Mantels zu erschrecken. Sehr viel häufiger sind aber die weniger spektakulären Forme des Exhibitionismus, beispielsweise der Mann der beim Vorbeifahren mit dem Fahrrad einen Blick auf seine Genitalien erlaubt oder auch auf sichere Distanz öffentlich masturbiert. In jeden Fall ist Exhibitionismus eine Straftat nach dem Sexualstrafrecht, weil er eine Belästigung einer anderen Person darstellt, die ihre Zustimmung nicht gegeben hat.

Die Besonderheit dieser Paraphilie liegt darin, dass gar nicht beabsichtigt wird mit dem Opfer tatsächlich in körperlichen sexuellen Kontakt zu treten oder mit ihm zu reden. Das genitale Präsentieren ist daher sexueller Endzweck. Viel mehr besteht die Absicht, durch das plötzliche überfallsartige Agieren der Schaupartnerin eine Reaktion des Erstaunens oder des Erschreckens zu entlocken, die als Anerkennung fehl gedeutet wird. Der Täter versucht also mit Hilfe eines fremden Opfers seinen eigenen sexuellen Selbstwert zu verbessern. Der Hintergrund des Exhibitionismus wird wahrscheinlich in einer Störung der sexuellen Identität zu suchen sein. Der Täter versucht diese Störung mit Hilfe seines Opfers zu heilen. Je heftiger die Reaktionen des Opfers ausfallen, desto eher ist der Selbstzweck erfüllt. Der Täter schließt aus der Heftigkeit des Abwehverhaltens auf den Eindruck, den sein Penis hinterlassen haben muss.

Der „sexuelle Endzweck“ impliziert, dass es beim genitalen Präsentieren bleibt. Erst zu Hause wird in Erinnerung an die erregend erlebte Situation sehr häufig masturbiert. In nur sehr seltenen Fällen wird ein Exhibitionist sein Opfer verfolgen um es damit in Angst und Schrecken zu versetzen. Diese Form des Exhibitionismus nennt man „atypischen Exhibitionismus“. Im Unterschied zum typischen Exhibitionismus wird dabei die körperliche Distanz aufgehoben.

 

Häufigkeit

Wie die meisten Paraphilien ist auch der Exhibitionismus ein „männliches“ Phänomen. Zur Beurteilung der Häufigkeit von Paraphilien muss grundsätzlich unterschieden werden ob ein Erregungsmuster  lediglich gedanklich verwendet wird um zum Höhepunkt zu kommen oder tatsächlich in die Tat umgesetzt wird. Die „Berliner Männerstudie“ kommt zum Ergebnis, daß etwa 3-4% aller Männer die Vorstellung exhibitionistischer Handlungen bei der Masturbation oder der Sexualität als Erregungsmuster benützen. Etwa 2% setzen ihr exhibitionistisches Gedankengut in den verschiedensten Erscheinungsformen in die Praxis um.

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