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Polgamie versus Monogamie

„Ist die Ehe noch zu retten?“ Mit diesem Titel beginnt Norbert Blüm, der ehemalige bundesdeutsche Arbeitsminister seinen Artikel in der  Welt am Sonntag, in dem er dazu aufruft „die Ehe zu retten“. Immerhin wird in Deutschland jede zweite Ehe geschieden und diese Zahlen gelten auch für Österreich. Die Gründe für diese Entwicklung liegen in einem Verlust des ursprünglichen Versorgungscharakters der Ehe, man heiratet heute weniger um eine Wirtschaftsgemeinschaft zu begründen, sondern viel mehr aus romantischen Zielsetzungen, will heißen: der Liebe wegen. Und genau dies ist die gute Seite von der Botschaft um das „Ende der Ehe“: des allgemeinen Wohlstandes wegen „braucht“ man den Partner nicht mehr, - „ich kann selbst für mich sorgen“ ist der Grundtenor moderner Beziehungen -; und das ist gut so. Ich gehe mit Dir eine Beziehung ein, nicht weil ich Dich „brauche“, sondern um Dich „lieben zu dürfen und geliebt zu sein“.

Dass der Versorgungscharakter der Ehe durch die Romantik der modernen Beziehung ersetzt wird ist nicht grundsätzlich eine schlechte Entwicklung, - ganz im Gegenteil. Die Ehe als Institution mag darunter zu leiden haben, nicht aber die Bereitschaft des Menschen Beziehungen ein zu gehen: 90 Prozent der Menschen wünschen sich eine glückliche Beziehung, auch das wird in diesem Artikel eingeräumt. Eines der selbsterklärenden Paradigmen der Sexualmedizin ist, dass die wichtigste Voraussetzung für das Erreichen des Lebensglücks eine glückliche Beziehung ist, die wichtigste Voraussetzung für das Gelingen einer Beziehung sexuelle Zufriedenheit. Somit schließt sich der Kreis: die moderne Beziehung mag inhaltlich wesentlich emotionaler sein als die Ehe „alten Zuschnitts“. Gerade aber der Umstand, dass die Liebe zum wichtigsten Motiv wird um eine Beziehung ein zugehen, öffnet neue Wege in Richtung alternative Beziehungsformen, schließt aber auch das Scheitern ein, denn Liebe lässt sich nicht befehlen, sie beginnt und kann auch enden.

 

Unter Monogamie versteht man die klassische Zweierbeziehung zwischen zwei Menschen. Der Begriff bedeutet nicht, dass man mit nur einem Menschen verheiratet ist, er impliziert auch, dass die Sexualität ausschließlich zwischen diesen beiden Partnern gelebt wird. Unter den Säugetieren ist die Monogamie eine eher seltene Form des Reproduktionsverhaltens: nur 3 Prozent der Säugetiere, etwa 10 Prozent der Primaten und – bis zur industriellen Revolution – nur 20 Prozent der Menschen lebten in monogamen Beziehungen. Das Gebot zur ehelichen Treue in der heute erwarteten Form ist also nicht so alt wie man glauben möchte.

Der Monogamie gegenüber steht die Polygamie. Sie bedeutet, dass ein Mann mit mehreren Frauen Sexualität pflegt. Sie ist das dominante Paarungsverhalten der Säugetiere und auch des Menschen in den vorindustriellen Kulturen.

Die Polygynandrie beschreibt jenes Sexualverhalten, das sehr häufig mit der Polygamie verwechselt wird: jeder verkehrt mit jedem. Sie kommt vor allem bei Schimpansen vor und bisweilen in einigen wenigen menschlichen Gemeinschaften. Ihr gegenüber steht die Polyamourie, in deren Zentrum nicht die Sexualität zwischen mehreren Menschen steht, sondern die Liebe. Die Polyamourie bedeutet also die (aufrichtige, gegenseitige) Liebe zwischen mehreren Menschen. Es gibt Bestrebungen, die Polyamourie als eine besondere Form der Lebenspartnerschaft gesellschaftlich an zu erkennen, in den Niederlanden liegt der Antrag bereits bei den Behörden, - allerdings ohne jede Aussicht auf Erfolg.

 

Die Polygamie als die – ehemals - dominanteste Form menschlichen Paarungsverhaltens bedeutet, dass ein Mann mit mehreren Frauen sexuell verkehrte. Dies bedeutet zwangsläufig, dass – weil ja ein Mann viele Frauen schwängert – andere Männer nicht zum Zug kommen, ihre Gene also nicht verbreiten konnten. Dieses Recht auf dominante Paarung musste allerdings verdient werden.

In der Auswahl der Sexualpartner folgt der Mensch der intrasexuellen Paarungsselektion, als auch der intersexuellen.

Intrasexuelle Paarungsselektion bedeutet, dass der Stärkere gewinnt, sie ist das Ergebnis von Rivalität zwischen den Männern und daher gekennzeichnet durch einen ausgeprägten Körperdimorphismus. (Bei den Orang-Utans etwa besitzen die Männchen die 2,2-fache Körpermasse im Vergleich zu den Weibchen). Es liegt auf der Hand, dass der kräftigere Mann die besseren Chancen zur Vermehrung hat und somit seine Körpermerkmale zur Verteilung zu bringen. Die intersexuelle Paarungsselektion beschreibt das Auswahlverhalten durch die Frauen, die auch bei  den Menschen das wählerischere Geschlecht sind. Dies beruht auf der Annahme, dass die Frauen das Geschlecht mit den höheren Mindestaufwendungen für die Fortpflanzung sind. Frauen haben im Gegensatz zu den Männern nicht unendlich viele bewegliche Geschlechtszellen, sondern eine genau programmierte Anzahl, nämlich durchschnittlich eine pro Monat, sie sind somit der limitierende Faktor in der Fortpflanzung, haben allen Grund, ihre Geschlechtspartner sorgfältig aus zu wählen.

Der Geschlechtsdimorphismus zwischen Männern und Frauen besitzt auch heute noch sexuelle Anziehungskraft („Gegensätze ziehen sich an!“), sodass auch die durchschnittliche, moderne Frau Kraft, Mut und Ausdauer als männliche Merkmale konnotiert und diese auch als sexuell attraktiv empfinden.

Vor etwa zwei Millionen Jahren kam es beim Menschen zu einer Abnahme des Körpergrößendimorphismus. Die rasche Zunahme der Gehirngröße führte allerdings zur Schaffung eines anderen Dimorphismus zwischen Männern und Frauen, nämlich den der unterschiedlichen Gehirnmasse: Männer besitzen messbar mehr graue und auch weiße Substanz als Frauen, wobei diese Unterschiede ausschließlich den Neocortex betreffen, nicht aber das Kleinhirn (welches entwicklungsgeschichtlich bereits wesentlich älter ist). Die bessere Durchsetzungskraft unter den Männern verlagerte sich damals weg von der rein brachialen Auseinandersetzung hin zur Überlegenheit durch Intelligenz. Auch heute noch ist die Intelligenz der Männer ein Selektionskriterium für die Frauen. „Heute noch“ verleitet zu der Annahme, dies könnte sich alsbald ändern, davon kann jedoch nicht ausgegangen werden. Gerade die Sexualität folgt uralten genetisierten Verhaltensmustern, die sich seit Zigtausend Jahren – allen Bemühungen zum Trotz -  nicht verändert haben. Sie werden es auch in den nächsten Zigtausend Jahren nicht tun.

 

Der vorhin geschilderte Entwicklungsschritt vom Körpergrößendimorphismus zum Dimorphismus der Gehirnmasse fällt zeitgleich zusammen mit der Eroberung des aufrechten Ganges durch den Menschen. Das enger werdende Becken der Frau musste zu einer Verkürzung der Schwangerschaft führen, weil das Kind sonst nicht mehr durch den Geburtskanal passen würde. Seither werden Menschenkinder relativ unreif geboren. Durch Jahre hindurch sind sie auf den Schutz und die Obsorge der Mütter angewiesen, wodurch sich deren Abhängigkeit von den Ressourcen der Männer verstärkte.

Die Erklärung für den durchgängigen Zyklus der Frauen und die beim Menschen (für Primaten aber untypische) verdeckte Ovulation könnte mit der „Sex-für-Essen-Hypothese“ erklärt werden. „Sex für Essen“ bedeutet, dass sich Weibchen erst nach Essensspenden zu Sexualität bereit erklären. Diese Hypothese erklärt die traditionalistische Geschlechtsrollenverteilung bei den Menschen: der extrovertierte Mann verteilt seine Gene und geht auf die Jagd, um die Kinder mit Nahrung zu versorgen und sich bei den Weibchen das Recht auf Paarung zu erkaufen. Damit diese lebensnotwendige Prozedur nicht unterbrochen wird, lassen sich Frauen hinsichtlich ihrer Fortpflanzungsbereitschaft nicht in die Karten schauen: sie ovulieren verdeckt, was soviel bedeutet, als dass sie ihren Eisprung nach außen hin nicht sichtbar machen.

Für die Gültigkeit der „Sex für Essen Hypothese“ gibt es bei näherer Betrachtung auch heute noch Befunde: wie Untersuchungen ergaben, interessieren sich Frauen hauptsächlich für Männer mit Geld, oder aber mit Aussichten auf Geld.

All diese Zusammenhänge könnten der eigentliche Einstieg in die Monogamie sein: weil die durchgängige Sexualität der Frauen für den Haremchef immer schwieriger zu verteidigen war, könnte er gezwungen gewesen sein, die Anzahl der Frauen immer weiter zu reduzieren. Letztendlich hat sich dadurch die Liebe als Hinweisreiz für Ressourcenkonstanz durchgesetzt.

 

Neben Geld können sich Männer auch noch auf andere Weise interessant für Frauen machen: durch ihre Kinderliebe. Das erweckt den Eindruck zur Bereitschaft zum Ressourceninvestment, ein sehr wichtiger Aspekt für die Aufzucht der Nachkommen. Die Bereitschaft übrigens zur Mithilfe im Haushalt lohnt sich indessen nicht: Studien zufolge erhöht dies nicht die sexuelle Attraktion auf Frauen.

Nach wie vor gute Karten haben große und starke Männer. Dies entspringt dem Wunsch der Frauen nach guten Genen. Ein kräftiger Körper signalisiert Männlichkeit, Immunkompetenz, Gesundheit und Verteidigungsbereitschaft.

 

Dererlei Argumentationen und die damit im Zusammenhang stehenden Befunde erhärten die These, dass die für den Menschen am besten geeignete Beziehungsform die Monogamie ist, einige Argumente sprechen aber auch dagegen. Vor allem der Umstand, dass die häufigste Ursache für Streit innerhalb von Partnerschaften im Bereich der Sexualität liegt.

 

Das allergrößte Konfliktpotenzial liegt offenbar in der Häufigkeit von Sexualität, denn die Männer haben die durchschnittlich größere Lust. Dies spricht natürlich wieder für die Polygamie als die geeignetere Beziehungsform.

Frauen sind sich dessen bewusst: sie instrumentalisieren Sexualität zur Festigung von Bindungen, um dann – wenn dies gelungen ist – zu einer unbedingt notwenigen Erhaltungsdosis zurück zu kehren. Dieser Prozess ist reproduzierbar, das heißt, dass die (zu) geringe Sexualität der Vorbeziehung bei der Anbahnung einer neuen Beziehung wieder vermehrt wird.

Das alles wirkt so, als wären beide Geschlechter noch nicht ganz in der Monogamie angekommen: den Frauen fällt es schwer, eine ausreichende Sexualfrequenz aufrecht zu erhalten, (um so ihre Männer zu binden), den Männern fehlt die Abwechslung des Harems.

 

Dessen ungeachtet scheinen sich die Männer mit der Monogamie abgefunden zu haben, dafür sprechen die Bereitschaft der Männer in Kinder zu investieren, die Verringerung des Testosteronspiegels bei Vätern, und die Vorkehrungen gegen sexuelle Untreue.

 

Die sexuelle Treue (der Frauen) ist nämlich der Preis, den die Männer für die Bereitschaft zur Monogamie verlangen: das Risiko in ein Kind zu investieren besteht nämlich darin, dass es nicht das eigene ist. Um dies zu verhindern, wurden die verschiedensten Strategien entwickelt: die Einführung der Ehe als institutionelle Dimension der Sexualität mit der Forderung zur sexuellen Treue bei sonstiger Bloßstellung durch die Gesellschaft, die Verschleierung, die Genitalverstümmelung, das Zusammennähen der weiblichen Genitalien und schließlich der (auch in Europa noch übliche) Jungfernkult.

 

Während die Argumente der Fortpflanzung für die Monogamie als die geeignetere Beziehungsform beim Menschen plädieren, verändert die Monogamie den Charakter menschlicher Sexualität: nur mehr 4 Prozent der Menschen machen Sex um ein Kind zu zeugen. Für die allermeisten der restlichen 96 Prozent sexuell aktiver Paare ist die Sexualität vor allem eine Kommunikationsform innerhalb der Beziehung, und zwar die intimste. Auf keine andere Weise, nicht einmal durch Geschenke, - das wäre das ressourcenrelevante Argument – gelingt es glaubwürdiger und eindrucksvoller Liebe und Begehren zu kommunizieren als durch Sexualität.

Diese kommunikative, soziale Dimension der Sexualität unterscheidet menschliche Sexualität von der der Tiere, sie ist einerseits bedingt und möglich gemacht durch die Monogamie, festigt sie andererseits auch wieder.

Der Mensch strebt nach Akzeptanz, deshalb geht er Beziehungen überhaupt ein. Die Akzeptanz wieder wird am besten vermittelt durch Sexualität, jener exklusiven Form der Kommunikation, die vorbehalten ist der monogamen Beziehung zwischen zwei sich liebenden Menschen.

 

Auch wenn für den Sexualmediziner andere Beziehungsstrategien denkbar wären, die Erfahrung lehrt, dass das Potenzial einer Beziehung glücklich zu machen, am größten in der monogamen Beziehung zu sein scheint. Von allem Anderen müsste man sich erst überzeugen lassen.

 

Dr. Georg Pfau

Sexualmediziner

www.sexualmedizin-linz.at

 

 
 
 
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